Press: Maurice Ravel                                

01/12/2007

Tages Anzeiger (Deutsche)

Katia & Marielle Labèque etwa aus den Vogelstimmen des Petit Poucet hervorzaubern, ist schlicht ergreifend. Höchste Kunst der Nuance und des rücksichtsvollen Sentiments ist das, gerade in den so genannten Kinderstücken zu vier Händen des Zyklus Ma mère lOye, faszinierend, wenn auch nicht ganz frei von Manierismen. Die beiden nehmen sich einige Freiheiten und lieben den Nachhall, aber das verzeiht man ihnen, weil ihre Interpretationen in sich so stimmig klingen und Atmosphäre vermitteln.

Mit dieser Ravel-CD, die im neuen hauseigenen Label erschienen ist, wollen die Schwestern ihre eigenen Klangvisionen umsetzen. Deutlich wird das in den spanisch inspirierten Stücken, der geheimnisvoll und fulminant dargebotenen Rhapsodie espagnole und vor allem im Bolero. Um dessen rhythmische Insistenz in Ravels eigener Version für zwei Klaviere besser umzusetzen, haben sie die Perkussionisten Gustavo Gimeno und Thierry Biscary beigezogen, und unerbittlich treiben sie diese Nicht-Musik (so der Komponist selber) gemeinsam zum Höhepunkt.

Thomas Meyer