Press: Rhapsody In Blue - Westside Story                                

01/07/2011

NDR Kultur (Deutsche)

CD of the Week
CD der Woche
Die attraktiven klavierspielenden Schwestern Labéque sind seit über 40 Jahren fester Bestandteil der klassischen Musikszene. Und immer schon haben sie sich auch am Rand bewegt, da wo die Klassik zum Entertainment wird. Um diese Freiheit auszukosten, haben sie ihr eigenes Label gegründet und beginnen mit Klassikern des Klassik-Entertainments: Gershwin und Bernstein.

Sanft und hintergründig - Impulsiv und feurig
Die Fotos der beiden Pianistinnen im Faltblatt zur CD sprechen Bände; eines erinnert an Alice im Wunderland: Zwei staunende Musikerinnen sitzen wie die Kinder auf dem Fußboden und fragen, "Na, wie findet ihr das?" Dass sie Spaß gehabt haben, ihre Temperamente auszuleben, Marielle das sanfte, hintergründige und Katia das impulsive, feurige, ist keine Frage.

Plakativer Unterhaltungsjazz
Der amerikanische Komponist Irwin Kostal, der auch Filmmusik für Walt Disney arrangierte, hat die "West Side Story" auf Bitte des Komponisten Leonard Bernstein in den 90er-Jahren für die beiden Pianistinnen und Percussion eingerichtet. Es ist jene New Yorker Romeo und Julia-Lovestory vor dem Hintergrund der rivalisierenden Gangs, der amerikanischen Sharks und der puertoricanischen Jets. "West Side Story zum Mitsingen" könnte man das nennen, es wirkt wie Nachklänge an eine Aufführung, ist an vielen Stellen plakativer Unterhaltungsjazz, gefiltert durch die Brille der Fabrik Hollywood. Das Dramatische, die tiefen Emotionen des Original-Musicals findet man an ganz wenigen Stellen. So bekommt zum Beispiel die Verzweiflung von Maria zu viel oberflächlich dahinplätschernde Rührseligkeit.

Wilde Spielfreude
Aber wo das Arrangement es hergibt, leuchten die Pianistinnen es aus, geben den Songs Charakter. Die mit ihren wallenden schwarzen Haaren unglaublich jung wirkenden Musikerinnen sind ganz in ihrem Element, besonders wenn es explosiv wird und sie mit den Schlagzeugern kommunizieren - dann bricht die Begeisterung im Schlagaustausch mit den Perkussionisten förmlich aus ihnen heraus.

Im Arrangement von Gershwins "Rhapsody in Blue" finden die klavierspielenden Schwestern noch mehr Möglichkeiten, sich ganz in die Musik hineinzugrooven und zu entfalten, was seit über 40 Jahren als eines ihrer größten Markenzeichen gilt: ihre wilde Spielfreude und die überreiche Palette der emotionalen Farben, zu denen sie sich gegenseitig inspirieren.